Bezirkslandwirt Burkhard Köhler: „Ich lebe gern in Ohlendorf, weil hier meine Wurzeln sind und meine Familie seit Generationen hier auf unserem Betrieb gewohnt und gearbeitet hat.“

Seit wann leben Sie schon in Ohlendorf und was gefällt Ihnen besonders an der Ortschaft?
Ich lebe seit meiner Geburt hier auf unserem landwirtschaftlichen Betrieb. An Ohlendorf gefällt mir, dass es ein kleiner Ort mit landwirtschaftlichen Strukturen ist, wo jeder jeden kennt, und dass trotzdem die Nähe zu unserer Landeshauptstadt gegeben ist.

Können Sie sich vorstellen, woanders zu leben?
Nein, im Moment könnte ich mir das nicht vorstellen, da ein Landwirt mit seinen Flächen und seinem Betrieb über Generationen doch sehr verwurzelt ist.

Gibt es etwas, das aus Ihrer Sicht in Ohlendorf verbessert werden kann?
Ohlendorf sollte als kleinster Ortsteil Hemmingens genau so viel Beachtung erfahren wie alle anderen Ortsteile. Nach der Straßensanierung im Zuge des  Dorferneuerungsprogramms haben außerdem viele Bürger im Ort mit dem Regenwasser beziehungsweise dem Oberflächenwasser sehr starke Probleme, das heißt nasse Gebäude. Dies ist umso ärgerlicher, da alle Grundbesitzer bedingt durch die Straßenausbausatzung viel dafür bezahlen mussten.

Wie viele Hektar Land bewirtschaften Sie und was bauen Sie dort an?
Ich bewirtschafte um die 100 Hektar Ackerland, das liegt zum größten Teil in Ohlendorf, aber auch im Landkreis Hildesheim/Peine. Angebaut werden Zuckerrüben,  Wintergerste und Winterweizen. Waldflächen gehören auch zum Betrieb.

Betreiben Sie auch Viehwirtschaft?
Viehwirtschaft betreibe ich nicht, sie wurde in der vorherigen Generation eingestellt. Ein wirtschaftlicher Wiedereinstieg in die Tierhaltung wäre sehr kapitalintensiv und würde gerade hier in der umliegenden Bevölkerung wenig Akzeptanz finden.

Wie viele Landwirte gibt es noch in Hemmingen und welche Art von Landwirtschaft wird vorrangig betrieben?
In Hemmingen gibt es aktuell 24 landwirtschaftliche Betriebe, die auch heute noch wirtschaften. Alle betreiben Ackerbau, zum Teil mit Gemüseanbau oder Pferdehaltung. Früher gab es noch mehr Bauernhöfe in Hemmingen, die fast alle auch Tiere auf dem Hof hielten, zum Beispiel Milchkühe, Schweine, Rinder beziehungsweise Bullen, Hühner und Schafe. 1979 waren es noch 81 Betriebe, 2007 dann 34.

Was mögen Sie an Ihrem Beruf?
Ich liebe meinen abwechslungsreichen Beruf, da ich selbstständig bin und zum größten Teil auf meinem eigenen Grund und Boden Früchte anbauen kann, abhängig von der Witterung – in der Natur mit eigener Verantwortung. Immer mit dem Ziel vor Augen, den Betrieb traditionsgemäß meinen Kindern weiterzugeben. Jedes neue Wirtschaftsjahr bedeutet neue Herausforderungen.

Wie ist die Akzeptanz der Bevölkerung?
Mir fällt auf, dass die älteren Menschen sich mehr für unsere Arbeit interessieren als die jüngeren. Sie hatten wohl früher mehr Nähe zur Landwirtschaft. Also nehmen die Akzeptanz und das Interesse ab, weil heute jeder auf sich fixiert ist und Hobby, Freizeit und Naherholung einen hohen Stellenwert haben, ohne dass zur Seite geschaut wird. Die fehlende Akzeptanz spürt man jeden Tag, wenn man sich mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen auf unseren Feldwegen bewegt. Besonders schlimm ist es, wenn man mit dem
Pkw zwecks Kontrolle seine Schläge anfährt. Das Blockieren der Wege, Sachbeschädigung, Beschimpfung und Anspucken habe ich selbst erleben müssen.