Maria Jacobs, Agraringenieurin und Naturerlebnispädagogin beim Verein Heuhüpfer: „An Arnum gefällt mir, dass ich alles mit den Rad erreichen kann.“

Wann und wieso sind Sie nach Arnum gezogen?
1998 sind wir mit unseren beiden Kindern nach Arnum gezogen, weil es hier bauträgerfreies Bauland gab, wo wir auch ein Niedrigenergiehaus bauen konnten. Das war damals noch nicht Standard.

Was gefällt Ihnen am Leben in Arnum?
Ich wohne gerne hier am Feldrand, hier bekommen wir Besuch von allerlei Tieren: Störche, Rehe, Eulen und viele andere mehr. Auf der anderen Seite haben wir eine tolle Nachbarschaft, mit der man schöne Straßenfeste feiern kann. Von hier aus kann ich außerdem alles, was ich an Geschäften, Kultur, Natur und so weiter benötige, gut mit dem Fahrrad erreichen. Vor allem mein Arbeitsplatz ist mit dem Rad erreichbar. Das war nicht immer so. Der Weg mit dem Auto in die Stadt Hannover war für mich früher immer der reinste Stress.

Sie arbeiten für den Verein Heuhüpfer. Wann wurde der Verein gegründet und mit welchem Ziel?
Seit 2009 sind wir ein Verein, die ersten Bildungsangebote gab es aber schon 2004. Ziel ist es, die Zusammenhänge zwischen Lebensmittelproduktion, Kulturlandschaft, Umwelt und Gesundheit sowie Ökonomie und Ökologie begreifbar zu machen. Dafür bietet der Kampfelder Hof mit der Landwirtschaft, seiner Gärtnerei und Bäckerei, dem Hofladen sowie den dazugehörigen Feldern, Wiesen, Bächen und Wald die passenden Erfahrungsräume. Wir sind überzeugt, dass aus dem Erleben auf dem Hof Empathie und Respekt entstehen. Ein partnerschaftlicher Umgang mit Natur und Menschen kann dadurch wachsen, ebenso wie ein nachhaltiges Verantwortungsbewusstsein für unsere Welt, sodass auch nachfolgende Generationen leben können wie wir jetzt. Dabei wollen wir auch eine Wertschätzung für die Arbeit von Landwirten, Gärtnern, Bäckern und allen, die Lebensmittel produzieren, vermitteln. Wertschätzung sollen dadurch auch unsere Lebensmittel erfahren, die wir viel zu häufig achtlos einkaufen und direkt aus dem Kühlschrank heraus wieder wegwerfen. Ein Anliegen ist uns auch der Respekt für unsere natürlichen Ressourcen wie Boden, Wasser, Luft und ökologische Vielfalt – wir sollten sie nicht ausbeuten, sondern hegen und pflegen.

Im Mai 2017 hat der Verein eine Ehrung der UNESCO für das Projekt „Mit Grabegabel und Kochlöffel – Jung und Alt auf dem Gemüseacker“ erhalten. Worum geht es dabei?
Das ist ganz einfach: Jung und Alt säen, pflanzen, ernten und kochen gemeinsam auf dem Heuhüpfer-Acker. Die Veranstaltungsreihe hat neben der Vermittlung einer  nachhaltigen und selbstbestimmten Anbau- und Ernährungsweise auch eine soziale Komponente: Die Kinder profitieren von den Senioren und können von ihnen gärtnern und kochen lernen, und die Senioren können ihre Erfahrungen und ihre Geschichten weitergeben.

Wie ist die Resonanz in der Bevölkerung?
Seit Jahren waren regelmäßig weit über 300 Gruppen pro Jahr mit unseren Referenten unterwegs in der Natur und auf dem Biobauernhof. Seit dem Sommer 2017 ist der Verein ein vom Kultusministerium anerkannter Lernort für Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) und legt seither einen neuen Schwerpunkt auf die Fortbildung von Multiplikatoren. Die Gruppen kommen aus der ganzen Region und der Stadt Hannover, teilweise sogar darüber hinaus.

Wie viele Mitarbeiter gibt es und wie finanziert sich der Verein?
Zurzeit sind wir zu viert, haben aber auch noch eine FöJlerin und meist um die vier bis fünf Helfer. Wir finanzieren uns aus Teilnehmerbeiträgen, durch Fördertöpfe unterschiedlicher Institutionen und Stiftungen sowie durch Spenden, Fördermitgliedschaften und Beetpatenschaften.

Was sind die Ziele für die Zukunft?
Da an den Vormittagen unsere Kapazitäten fast erschöpft sind, werden wir in Zukunft an den Nachmittagen im Ganztagsschulbereich Angebote machen und vermehrt Multiplikatorenschulungen anbieten.