Sabine und Albert Porth engagieren sich für den Weissen Ring: „An Harkenbleck gefällt uns am besten, dass wir hier mit vielen sympathischen Menschen zusammenleben, die unseren Alltag bereichern.“

Sie haben von 1995 bis 2015 gemeinsam von Harkenbleck aus die Außenstelle Hannover Land des Weissen Rings geleitet. Was hat Sie dazu bewogen, sich für Kriminalitätsopfer zu engagieren?
Sabine Porth: Wir sahen öfter die Fernsehsendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ von Eduard Zimmermann. Sie hat uns gezeigt, dass die Tätersuche allzu sehr im Vordergrund steht und unschuldige Opfer dringender Hilfe bedürfen. Der 1976 von diesem Fernsehjournalisten gegründete bundesweit tätige Weisse Ring hilft Opfern von vorsätzlichen Kriminalstraftaten mit persönlicher Betreuung und finanzieller Unterstützung bei tatbedingten materiellen Notlagen. Dort ehrenamtlich mitzuwirken, ist uns seit 1989, nachdem unsere Kinder flügge waren, ein besonderes Anliegen.

Wie viele Menschen haben pro Jahr Ihre Hilfe in Anspruch genommen und um welche Delikte ging es in der Regel?
Albert Porth: Rund 150. Dabei geht es vorwiegend um Sexualdelikte, häusliche Gewalt, Wohnungseinbruch, Raubüberfall, Trickbetrug und beharrliche Nachstellung, also Stalking.

Ist es nicht schwer, weiter an das Gute im Menschen zu glauben, wenn man sich täglich um die Opfer von Gewalttaten kümmert?
Albert und Sabine Porth: Wenn man zum Beispiel mitbekommt, welche Beeinträchtigungen ein Opfer von sexuellem Missbrauch erleidet, und das Opfer trotz langjähriger  Therapie nicht mehr in sein vorheriges Partnerschaftsleben zurückfindet, dann fällt es sehr schwer, an das Gute in diesem Täter zu glauben. Doch wollen wir uns keinesfalls zum Richter über Gut und Böse erheben.

Sie haben die Leitung der Außenstelle zwar nach 20 Jahren abgegeben, sind aber weiterhin beim Weißen Ring aktiv. Was sind zurzeit Ihre Aufgaben?
Albert Porth: Meine Frau und ich betreuen weiterhin Opfer, insbesondere bei schwierigen Fällen. Ich bin außerdem noch stellvertretender Außenstellenleiter und Mitglied der Bundesdelegiertenversammlung.

2016 haben Sie beide das Bundesverdienstkreuz für Ihr ehrenamtliches Engagement erhalten. Hat Sie die Auszeichnung überrascht?
Sabine Porth: Ja, wir hatten keine Ahnung, dass die von uns immer als selbstverständlich empfundene ehrenamtliche Tätigkeit mit dieser hohen Würdigung „für Verdienste um die Bundesrepublik Deutschland“ bedacht wird.

Herr Porth, Sie sind zusätzlich seit 1994 in verschiedenen Kirchengremien für die St.-Vitus-Gemeinde, den Kirchenkreis und den Kirchenkreistag aktiv. Was hat Sie dazu  bewogen?
Albert Porth: Meine Eltern haben mich christlich erzogen. Kirchliches Leben mitzugestalten auf Gemeindeebene als Kirchenvorsteher und in Leitungsgremien des Kirchenkreises interessiert mich sehr. Es bereitet mir Freude, etwas bewegen zu können.

Seit wann leben Sie schon in Harkenbleck und wieso sind Sie dorthin gezogen?
Sabine Porth: Seit 1974, nachdem ein Arbeitskollege von meinem Mann in der MHH lange ein Häuschen auf dem Lande gesucht und endlich in Harkenbleck gefunden hatte. Doch dann musste er aus familiären Gründen 300 Kilometer weit wegziehen, sodass er das Haus doch nicht nehmen konnte. Das war für uns und unsere fünf und ein Jahre alten Mädchen ein seltener Glückstreffer – in der Nähe keine Autobahn, keine Flugschneise, keine Eisenbahntrasse, keine viel befahrene Landstraße und viel Natur.

Was mögen Sie am Dorfleben?
Sabine Porth: Es ist eine sehr gute Alternative zu meinem zuvor gewohnten „trubeligen“ Stadtleben.
Albert Porth: Die zuverlässige Dorfgemeinschaft, das lebendige Vereinsleben und die liebenswerte Dorfidylle.